Informationen über den Nonnenorden im Tibetischen Zentrum in Hamburg:
Download: bitte unterstützen Sie den Nonnenorden in Hamburg-Rahlstedt. Danke!
Neueste Ausgabe der Zeitschrift: Tibet Aktuell (Download)

Spendenhinweis:
Wer die Nonnen unterstützen möchte, kann eine zweckgebundene Spende
unter dem Stichwort Nonnenkloster auf folgendes Konto überweisen:
Tibetisches Zentrum e.V.
Deutsche Bank Hamburg
BLZ 200 700 00
Kto-Nr. 9461344-10
Danke!
Aus Buddhismus aktuell, Zeitschrift der Deutschen Buddhistischen Union (1/2005).
http://www.buddhismus-aktuell.de/
von der Ehrw. Jampa Tsedroen
- Carola Roloff, Nonne und Lehrerin im Tibetischen Zentrum in Hamburg
Tibet und Buddhismus berichtete kürzlich über die Gründung des Ordens durch den Buddha, die Entwicklung der Klöster sowie die Probleme von westlichen Ordinierten heute.
Der Artikel machte uns neugierig. Die Redaktion Buddhismus aktuell fragte an, ob Bhikshuni Jampa Tsedroen (Carola Roloff) für uns über den Alltag der Nonnen am Tibetischen Zentrum (TZ) in Hamburg schreiben würde. Sie sagte spontan zu und schickte uns eine sehr interessante Reportage. Danke Carola!
Der tiefe Klang eines Gongs ertönt in der Stille des Morgengrauens.
Sechs Nonnen üben wie jeden Morgen Geistige Ruhe, rezitieren ein Guru-Yoga, dann folgen eine analytische Meditation über den Stufenweg zur Erleuchtung und die Widmung. Nach dem Frühstück macht jede ihre persönliche Praxis. An manchen Tagen warten viele Arbeiten auf sie, an anderen lernen sie Tibetisch oder bereiten sich auf das nächste Seminar vor.
Alle 14 Tage treffen sie sich zum Sodschong (Beichtfeier) und zum Studium des Vinaya (Anweisungen zur Disziplin und Ethik). Abwechselnd kochen sie vegetarisch.
Einige machen danach ein Nickerchen, andere einen Spaziergang. Seelsorgerische Gespräche und die Beantwortung von Dharma-Fragen gehören zum Alltag. Zwischendurch wird die tägliche Haus- und Gartenarbeit erledigt. Nicht immer sind sie erreichbar. Sechs bis zwölf Wochen im Jahr ziehen sie sich zur Sommerklausur zurück. Der Tag hat Struktur. Es gibt Zeiten der Ruhe und der Aktivität, der Zurückgezogenheit und der Begegnung. Aus der Ruhe kommt die Kraft.
DER ALLTAG DER NONNEN
Leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Dies ist nur eine der vielen Visionen eines ersten europäischen Nonnenklosters der Gelug-Tradition. Tatsächlich gibt es am Tibetischen Zentrum fünf deutschsprachige Bhikshunis (voll ordinierte Nonnen), was für Europa einmalig ist. 21 Jahre hat es gedauert bis fünf beisammen waren. Hätten einige nicht disrobed (ihre Robe abgelegt), wie es im Buddhisten-Jargon heißt, wäre es schneller gegangen. Grund, warum Mönche oder Nonnen ihre Gelübde (meist ungebrochen) zurückgeben, ist nicht selten der zu enge Kontakt mit dem anderen Geschlecht.
Wenn andere Schwierigkeiten oder ideologische Gründe hinzukommen, ist der Weg zurück zum Laien nicht selten. Mindestens vier voll ordinierte Mönche (Bhikshus) oder Bhikshunis hat ein Mönchs- bzw. Nonnen-Sangha. Für die Sommerklausur, eines der drei wichtigsten Vinaya-Rituale, braucht man mindestens fünf, für eine volle Ordination in abgelegenen Gebieten fünf Mönche und sechs Nonnen, sonst zehn Mönche und zwölf Nonnen.
Um einer Bhikshuni Unterweisungen zu geben, muss ein Mönch 20 Jahre Bhikshu sein, eine Nonne dagegen muss nur 12 Jahre Bhikshuni sein. Ausgebildet wurden die fünf Bhikshunis am Tibetischen Zentrum vor allem von Geshe Thubten Ngawang (1932-2003), aber auch von taiwanesischen Bhikshus und Bhikshunis.
Alle haben das 7-jährige Systematische Studium am Tibetischen Zentrum absolviert. Entsprechend ihren Aufgaben sind sie an zwei Orten tätig, drei in Hamburg und zwei in Schneverdingen: Jampa Tsedroen (45) und Soenam Choekyi (56) leben mit einem Geshe und einem weiteren tibetischen Mönch auf engem Raum in einer Art WG in Hamburg. Jampa Yangkyi (48), die nach der Ordination weiter ganztags in der Verwaltung des Zentrums arbeitete,
ist vor kurzem an MS erkrankt und wohnt in einem behindertengerechten Appartement nahe dem Zentrum Thubten Choedroen (57) und Sönam Chötso (47) leben mit einem Geshe im
gut eine Stunde entfernten Meditationshaus Semkye Ling. Obwohl das Grundstück groß ist, leben sie auf engem Raum.
KEINE PRIVATSPHÄRE
Thubten Choedroen, seit 1988 Nonne am Tibetischen Zentrum, wohnt seit fast vier Jahren in einem Wohnwagen. Im Winter stapft sie 100 m durch den hohen Schnee, um zur Dusche zu gehen.
In Hamburg lebt Soenam Choekyi, früher Ärztin, seit 1995 in einem 8qm-Zimmer mit schall-ungedämpftem Fenster zur viel befahrenen Straße. Da Thubten Choedroen auch immer wieder in Hamburg zu tun hat, bewohnt sie dort noch ein etwas größeres Zimmer, das Soenam Choekyi bekommen soll, sobald Thubten Choedroen in Semkye Ling ein richtiges Zimmer mit ausreichend Platz hat. Zwar gibt es in beiden Häusern Zimmer, die zwischendurch leer stehen,
aber diese sind für besuchende Lamas, Geshes und ihre Begleiter und andere Gäste notwendig, die oft auch für längere Zeit zu Besuch sind.
Haben die Nonnen etwas in Ruhe zu bereden, sieht man sie im nahe gelegenen´Stehcafé oder beim Mittagstisch im benachbarten Restaurant. Neuerdings treffen sie sich auch manchmal in der kleinen Wohnküche von Jampa Tsedroen, die direkt in ihr Zimmer führt.
Seit letztem Jahr stehen ihr diese beiden Räume innerhalb der WG allein zur Verfügung, weil sie für ihre Dissertation mehr Platz brauchte.
Dennoch gibt es keine eigene Küche oder einen eigenen Gemeinschaftsraum für die Ordinierten und somit auch keine Privatsphäre außerhalb des eigenen Zimmers. Als geschlossene Gemeinschaft treffen sich die Nonnen zweimal im Monat zum So-dschong.
Alle anderen Veranstaltungen finden zusammen mit Laien statt.
WOLLEN DIE NONNEN LIEBER UNTER SICH SEIN?
Die Nonnen wünschen sich ein harmonisches Miteinander der Vier Versammlungen:
Mönche, Nonnen, Laienanhänger und anhängerinnen.
Der Erwachte hat gelehrt, dass der Buddhismus in einem Land nur dann etabliert ist, wenn alle diese vier Gruppierungen vorhanden sind. Die Nonnen sind sich ihrer Verantwortung bewusst, Grundlagen für das Weiterbestehen des Ordens zu schaffen. Bisher werden die Nonnen noch nicht so richtig als Gemeinschaft wahrgenommen, eher als Einzelkämpferinnen, die viel arbeiten und dann gern ihre Ruhe haben. Man fühlt sich mehr als Gemeinschaft, wenn man etwas zusammen macht, meint Thubten Choedroen.
Natürlich wollen sie auch weiterhin die Geshes in ihrer Arbeit für das Tibetische Zentrum und andere Projekte unterstützen, aber leben wollen die Frauen lieber für sich. Angst, dass sie aneinander geraten könnten, wenn sie eng zusammenwohnen, gibt es unter den Nonnen schon.
Aber das tun wir jetzt auch hin und wieder, meint Soenam Choekyi lachend.
Das ist weniger meine Angst, eher dass ich für andere Dinge wie meine laufenden Arbeiten, schriftliche Übersetzungen von Dharmatexten und Fortbildung weniger Zeit hätte. Andererseits können wir gestärkt durch die Gemeinschaft, die anstehenden Aufgaben gelassener angehen, sagt Thubten Choedroen. Wir Nonnen wissen untereinander um die Geisteskämpfe, den Kampf mit den Geistesplagen einer jeden,
sagt Soenam Choekyi. Sie erklärt die Vorzüge des Zusammenlebens so:
In der Wohngemeinschaft fühlen wir Nonnen uns weniger allein. Außerdem kennen wir gegenseitig unsere Regeln.
AUF DER SUCHE NACH SICHERHEIT IM DASEINSKREISLAUF: ALTERSVERSORGUNG FÜR ORDINIERTE
Seit einiger Zeit ist die Altersversorgung der Ordinierten Thema am Tibetischen Zentrum. In Asien ist es wie in christlichen Klöstern selbstverständlich, dass Menschen im Orden versorgt
sind. Für die Ordensgemeinschaft im Tibetischen Zentrum sorgt der Verein.
Wegen des unermüdlichen Einsatzes der Ordinierten bei der Übermittlung des Dharma war die Bereitschaft der Mitglieder zu helfen, wenn es um die Verbesserung der Lebensumstände der Ordinierten ging, stets groß. Sieht man vergleichsweise in katholische Nonnenklöster, sind die Nonnen dort mit dem Nötigen versorgt. Bei Austritt werden sie in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert. Der Vorstand des Tibetischen Zentrums hat sich jetzt
auch dieses Themas angenommen und zwar unter der Zielsetzung eine Mindestabsicherung zur Verfügung zu stellen, wenn die ersten Ordinierten das Rentenalter erreichen.
Wovon können Nonnen-Orden im Westen leben? Gabriele Küstermann, Europa-Repräsentantin von Sakyadhita International: Wir leben in Deutschland in einem Umfeld, das sich nicht dazu berufen fühlt, Nonnen täglich mit Essen oder sonst reichlich mit Spenden zu versorgen ganz im Gegenteil. Vielleicht sollten wir uns in dieser Hinsicht mit der Lebenssituation von katholischen Nonnen beschäftigen, und die Möglichkeit einbeziehen, weltlichen Berufen als Lehrerin, evtl. als Buddhismus-Lehrerin, Sozialpädagogin, Psychologin, Programmiererin, Ärztin etc. in Teilzeit nachzugehen. Wie diese sollten wir für den Fall eines Ausscheidens aus der Gemeinschaft auch eine eigene Alterssicherung anstreben. Aber worin liegt dann der Unterschied zu einem Leben als Laie? Entscheidend ist, dass die Hauptregeln des Bhikshuni-Gelübdes eingehalten werden und die Ordinierten regelmäßig an der Beichtfeier und der Sommerklausur teilnehmen. Im Schutz eines Klosters könnten die Nonnen einem zweiten Beruf im Sinne des rechten Lebenserwerbs nachgehen. Der Vinaya schreibt jedoch vor, dass sie zuerst mindestens fünf, eigentlich zehn bzw. zwölf Jahre von jemandem, der mindestens zehn, zwölf oder 20 Jahre voll ordiniert ist, ausgebildet werden. In christlichen Klöstern dauert die Ausbildung dagegen nur drei Jahre.
DIE NOTWENDIGKEIT DER ERRICHTUNG EINES KLOSTERS
Die Gründung eines Klosters setzt eine gewisse Stabilität im Äußeren voraus. Der Orden hat traditionell die Verantwortung, den Dharma zu bewahren und weiterzugeben. Geshe Thubten Ngawang lehrte: Wie Geshe Potowa sagt, schafft man durch die Ordination zum Mönch oder zur Nonne besonders günstige Bedingungen. Das soll nicht heißen, dass alle Buddhisten auf der
Welt Mönche oder Nonnen werden müssten. Aber ein solches Leben bietet viele Vorteile, um Fortschritte auf dem Weg zur Befreiung zu machen. In einem Hausleben mit seinen zahlreichen
weltlichen Aufgaben gibt es viele Hindernisse, die der Ausübung von Dharma im Wege stehen und den Weg erschweren. Wer dagegen das weltliche Leben verlässt und in das Klosterleben eintritt, hat in Bezug auf die materielle Seite nur Verantwortung für das, was man selbst gerade zum Anziehen und Essen braucht. Man kann sich auf das Wesentliche beschränken und hat deshalb die beste Grundlage, um Fortschritte auf dem Weg zur Befreiung zu machen.
Deshalb sagt Geshe Potowa: &Mac226;Wer klug ist, sollte eine intensive Freude am Leben eines Mönchs oder einer Nonne entwickeln. Auch in vielen Schriften, zum Beispiel dem Sutra, das von Tragschül-tschän erbeten wurde oder demSchmuck der Sutras des Großen Fahrzeugs von Maitreya wird zum Ausdruck gebracht, dass die Lebensgrundlage von Nonnen oder Mönchen besonders die eines voll ordinierten Mönchs oder einer voll ordinierten Nonne die ideale Lebensgrundlage bildet, um die Befreiung zu verwirklichen. Darauf möchten einige nicht verzichten. Die Idee, ein Nonnenkloster zu gründen, finde ich sehr wertvoll und unterstützenswert, meint Birgit Stratmann, Chefredakteurin von Tibet und Buddhismus, der Zeitschrift des Tibetischen Zentrums. Gerade in der heutigen Zeit, wo Konfusion und Orientierungslosigkeit zunehmen, ist es wichtig, sich auf spirituelle Gemeinschaften zu stützen.
Bestimmt fördert es eure persönliche Praxis und die Entwicklung des Dharma insgesamt. Und Hanh-Hao, deutscher Mönch der vietnamesischen Tradition meint: Ich denke schon, dass Euer Projekt eine Chance hat aber es braucht mindestens ein bis
zwei gemeinsame Praxiseinheiten pro Tag, an denen sich niemand drücken darf, um mit dem Zen zu sprechen: Du musst aufs Kissen, und neben Dir muss Dein Feind sitzen!
DER TRAUM DER NONNEN
Die Nonnen am Tibetischen Zentrum träumen trotz finanzieller Schwierigkeiten vom Nonnenkloster. Gern würden sie es auf dem Gelände oder in unmittelbarer Nähe des Meditationshauses Semkye Ling errichten. Die Idee ist, nach und nach für jede Nonne ein winterfestes, beheizbares Klausurhäuschen und Gemeinschaftsräume zu bauen. Dieses Modell böte die Möglichkeit, das Gemeinschaftsleben zu pflegen und sich zeitweise auch in längere Einzelklausuren zurückzuziehen. Der Plan, das erste Holzhaus im Sommer 2004 in Semkye Ling zu errichten, wurde jedoch wegen der drohenden Nachzahlung für die Altersvorsorge gestoppt.
Ein Architekt hat inzwischen ehrenamtlich einen anderen, rationelleren Plan gezeichnet, der mit allen Beteiligten diskutiert wird (Abb.1).
Der Entwurf umfasst ein Atriumhaus mit sechs Zimmern und gemeinsamer Badbenutzung zu zweit, einem überdachten Innenhof (ökologischer Bau), gemeinsamer Küche und Meditationsraum (Kosten: rund 200 000 Euro).
Ein zweiter Stock könnte aufgebaut werden. Geht es nicht in Semkye Ling, gäbe es direkt nebenan ein 1 543 qm voll erschlossenes Grundstück für 40 000 Euro zu kaufen.
Geshe Thubten Ngawang sagte in einem Interview mit Tibet und Buddhismus (3/2000): Die Hoffnung, dass man den Dharma allein mit Laienschülern einwandfrei etablieren kann, habe ich nicht. Die Bedingungen reichen einfach nicht aus. Und in Perspektiven für das Tibetische Zentrum. Teil 1: Das Meditationshaus (Tibet und Buddhismus 1/2003) sagte er: Natürlich
wäre es schön, einen eigenen Klostertrakt zu haben. Im Moment leben die Ordinierten auch in Semkye Ling verstreut auf dem Gelände. Allerdings hängt die Gründung eines Klosters davon
ab, dass es eine entsprechende Anzahl von Ordinierten gibt, und hier müssen wir realistisch sein. Zurzeit gibt es fünf Nonnen, von denen eine außerhalb lebt; damit haben wir einen
vollständigen Nonnen-Sangha. Aber es gibt neben den Geshes nur einen Mönch innerhalb der Gemeinschaft und einen Mönch, der seinem Beruf nachgeht und nicht im Zentrum lebt. Einen kompletten Mönchs-Sangha haben wir also nicht. Die Ordinierten im Zentrum sind sehr mobil. Einige pendeln zwischen Hamburg und Semkye Ling, da sie an beiden Orten gebraucht werden. Diese Situation macht es schwierig, ein Klosterleben nach traditionellen Regeln zu etablieren. Wir müssen sehen, wie es sich in Zukunft entwickelt.
Bhikshuni Jampa Tsedroen (Carola Roloff), geb. 1959,
Magister der Tibetologie und Buddhologie, ist Arbeitskreisleiterin, Referentin und Übersetzerin am Tibetischen Zentrum Hamburg. Sie ist Schülerin Geshe Thubten Ngawangs und seit 1980 Buddhistin. 1981 erhielt sie die Novizinnen- und 1985 die volle Ordination. Viele Jahre war sie Geschäftsführerin,
Vorstands-und Ratsmitglied im Tibetischen Zentrum, in der DBU und der Internationalen Frauenorganisation Sakyadhita. Sie hält Vorträge, Seminare und Referate über Buddhismus im In- und Ausland.
|
|
|