In eigener Sache / eigener Erfahrungsbericht

Der Initialfunke für mein Forum waren eigene, leider ungute Erfahrungen mit Berobten (also Menschen mit Ordensgewändern). Ganz besonders heikel finde ich die bisweilen vorzufindende Rigidität im Denken und die Inner-Circle-Strategie sehr ausgewählter Insider-Clubs. Die erschreckendsten Momente habe ich erlebt, wenn Ordinierte in ihrem eigenen kleinen selbst erfundenen Universum kreiseln, in dem die Regeln nicht mehr existieren oder auf eine einzige Allerweltsformel 'Liebe und tu was Du willst' reduziert sind;... tja, auch das gibt's. Aber wie wir alle wissen, ...in großen schicken Fahrzeugen mit viel PS fährt es sich mit angenehmer Begleitung und mit ausreichend Personal für die anfallende alltägliche Arbeit im Luxus'kloster' halt gemütlicher, und ein Brötchen oder Küßchen am Abend in Ehren kann keiner verwehren... - ... das ist kein 'Regel-gemäßer' Buddhismus...

Wichtig ist es mir, mit meinem Informationsforum darauf hinzuweisen, dass nicht überall Friede-Freude-Eierkuchen-Buddhismus herrscht. Die kuriose Bevorzugung von Männern in Roben und deren bisweilen eigenwillige Auslegung ihrer Ordiniertheit (mit dem inkludierten Ehrentitel 'Ehrwürdiger' und dem Umstand, dass nicht jeder Ordinierte eine einwandfreie Ordination erhalten hat oder sich an den Vinaya hält, auch wenn er eine Robe trägt!) hat mich zu diesem Infoportal angeregt. Dafür habe ich böse Kritik geerntet (z.B. dass ich keinen Fuß mehr in ein buddhistisches Zentrum bekäme, wenn ich meine Erlebnisse schildere..., ) und erfreulicherweise zahllose Rückmeldungen, die mein Anliegen teilen und die gute Sache unterstützen.

Was ich persönlich ebenfalls schade fand, dass ich etliche Ordinierte traf, die gut verwaltetes Privatvermögen und Immobilien besaßen und sich allen Ernstes als Hauslose definierten. Ich ließ mich belehren, dass es ein Armutsgelübde im Buddhismus nicht gäbe und bevorzuge von daher mittlerweile Ordinierte, die wirklich nichts mehr besitzen, was man mir bitte nachsehen möge.

Bisweilen würde ich auch frei nach Loriot sagen, Ordinierte und Laien passen nicht zusammen. Bleibt zu hoffen, dass es viele gute Weiterentwicklungen gibt.

Speziell reflektiere ich hier den Frauenklosterstand in Deutschland, man kann hier jedoch auch Infos für das weitere Umfeld finden, die mit Sicherheit sehr subjektiv und auch nicht vollständig sind. Wirklich weiter empfehlen würde ich persönlich ein Projekt erst dann, wenn es 10 Jahre in wirklich guter Verfassung überstanden hat und einen 'guten Ruf' hat.

Ich bekomme immer wieder Anfragen von Frauen und Männern, die ein Kloster in Deutschland suchen, in dem sie für immer oder zeitweise leben möchten.

Mein Rat: Über eine längere Zeit Informationen sammeln und erstmal in etablierten Klöstern oder Zentren im europäischen Raum beginnen, wo die Rahmenbedingungen dem Vinaya entsprechen (Ordensregeln für Mönche und Nonnen im Buddhismus). Eigene Wohnung und alte Freunde nicht einfach aufgeben.

Im Theravada empfehle ich persönlich in Europa Frauen das - Amaravati in England; dort kann man sich mit den Nonnen in Verbindung setzen, es gibt auch die zusätzliche Nonnenzweigstelle in Chithurst und nun aktuell ein neues und selbstständiges Projekt: Saranaloka: Mehr Informationen zu einem neuen Theravada-Kloster für Frauen in Kalifornien (Ajahn Anandabodhi, Ajahn Metta and Ajahn Santacitta - monastery Aloka Vihara in San Francisco). Es wird notwendig sein, zu klären, wie sich die Ordinationsvorgaben im Theravada entwickelt haben. Deshalb, genau fragen, bevor man sich zu etwas verpflichtet.


Männern kann ich ebenso das Amaravati oder die Mitarbeit im Bodhi-Vihara empfehlen, um sich zu orientieren.

Im Mahayana (Europa) empfehle ich folgende Kontaktstellen:
Jampa Tsedroen (Carola Roloff), Nonne und Lehrerin im Tibetischen Zentrum in Hamburg
und Buddhistische Sekten von Tashi/Tenzin (unter Links: Tipps zu Klöstern und Zentren).

Ich persönlich rate von Experimenten in unetablierten oder nicht stabilen Einrichtungen dringend ab, was allerdings Jede/r letztlich selber für sich entscheiden möge.
Ist das Kind jedoch erstmal in den Brunnen gefallen, dann sind buddhistische Gruppen und Einrichtungen leider nur im Ausnahmefall hilfreiche Ansprechpartner. Warum? Na, zum Beispiel deshalb, weil auch im Buddhismus keine anderen Menschen unterwegs sind und keine anderen Gewohnheiten herrschen als woanders auch. Basisdemokratisches Miteinander und mutige Strukturkritik sind nicht unbedingt die Regel, schon gar nicht dort, wo's nicht klappt mit dem Zusammenleben.

Nicht selten trifft man auch auf sehr esoterisch angehauchte oder unkritisch übernommene Vorstellungen bezüglich Karma und anderer Begrifflichkeiten. Zum Beispiel fiel mir nicht selten eine hochgradig servile Haltung gegenüber Begüterten oder eine auffällig abschätzige Haltung gegenüber 'Unwissenden' auf. Was ich daran schade finde, ist das beiläufige Kreieren einer sozusagen 'neuen bürgerlichen Gesellschaft', die als Parallelwelt mit eigenen Regeln innerhalb unseres demokratischen Rechtssystems funktioniert. An diesem Punkt erzeugen sektenhafte Gruppen ein Problem, das letztlich der betroffene Einzelne selber ausbaden muss und wo das vielbeschworene Mitgefühl ausbleibt.

Wer experimentierfreudig ist, kann zum Beispiel ebenso in Asien ein Kloster suchen, mit denselben Risiken versteht sich. Einige Kontakte finden sich in diesem Forum hier. Man sollte jedoch mitdenken, dass die Mönche in Asien extrem bevorzugt werden, da die Versorgung Jener für Laien mehr Verdienste einbringt als die Spenden an Nonnen. Zudem sollte man die politische Situation des jeweiligen Landes nicht außer Acht lassen.

Eine gute Anlaufstelle für Westler sind Meditationscenter, die 'longterm-residents' beheimaten. Da kann man dann wirklich den ganzen Tag meditieren, wenn man sich an die Regeln hält. Einen Überblick über mögliche Anlaufstellen in Asien findet sich in "Meditation in Südostasien" - Reatreatführer von Dieter Baltruschat, zu beziehen über: BGM@Buddhismus-Muenchen.de.

Wer eine gute Möglichkeit für die typischen Vipassana 10 - Tages - Retreats sucht, die ich persönlich sehr empfehlen kann, ist im Dhamma Dvara in Triebel, Deutschland (burmesische, sehr strikte Tradition, nach Goenka, einem Laienlehrer) gut bedient. Diese Meditationslinie war wegen ihrer Striktheit auch schon heftiger Kritik ausgesetzt, man kann das Retreat jedoch verlassen, wenn es nicht für einen geeignet ist.

Immer eine gute Idee, Hilfsprojekte für Kinder in Asien zu unterstützen! Auch eine engagierte Einstellung bezüglich Menschenrechtsverletzungen schadet der 'Erleuchtung' nicht. Zur Zeit ist z.B. Kambodscha ein Mekka für Pädophile, was durch einen unpolitischen Zugang nur negativ unterstützt wird. Zivilcourage und Hilfsbereitschaft hätte auch ein rein theravadischer Buddha in heiklen Situationen gezeigt. Und Ordinierte, die Ihr Zölibat oder eines der 4 Hauptgelübde brechen, wären von Buddha nicht gedeckt, sondern aus dem Orden geworfen worden.

Alexandra

PS: ... u.A. - Beispielprojekte, die mit Vorsicht zu genießen sind und leider starken Zulauf haben - Klosterschule Ganden Tashi Choeling, und: Pagode Phat Hue mit dem 'ordinierten Abt' Thich Thien Son; Dieses Jahr (2010) habe ich die Vietnamesische Pagode besucht in Frankfurt und empfehle mal unter - Thich Thien Son, Skandal - zu googeln.Ich habe etliche Hinweise darauf bekommen, dass Ven. Devananda, Punnaratana und Upul (Godwin-Center, Sri-Lanka) und etliche mehr, keine klare Linie haben und plädiere hier ebenso zur Vorsicht.

Ich selber war 2001 im Allgäu im Buddha-Haus und Metta-Vihara. Ich kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt im Nachhinein betrachtet, obwohl ich ein schriftliches o.k. hatte, dort ordinieren zu können,..., und es kam alles anders. In diesem Jahr (2009) habe ich gehört, dass sich dort die Dinge tatsächlich zum Positiven ändern und ich kann nur sagen: Viel Erfolg und gutes Gelingen auf einer soliden und korrekten Basis!


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